FINMA-Aufsichtsmitteilung 08/2024
Die FINMA beurteilt, ob Institute ein zentral geführtes KI-Inventar mit Risikoeinstufung und klaren Verantwortlichkeiten haben. Hier finden Sie die Felder, ein ausgefülltes Beispiel und die Vorlage als Excel und CSV.
Für Risk, Compliance, Operations und Geschäftsleitung von Banken, Vermögensverwaltern und Versicherern.
Was die FINMA erwartet
Am 18. Dezember 2024 hat die FINMA die Aufsichtsmitteilung 08/2024 «Governance und Risikomanagement beim Einsatz Künstlicher Intelligenz» veröffentlicht. Sie ist keine neue Regel: Die FINMA beschreibt, was sie in der laufenden Aufsicht und bei Vor-Ort-Kontrollen beobachtet und beurteilt hat. Eine KI-spezifische Gesetzgebung gibt es in der Schweiz bisher nicht.
Es gilt Proportionalität: Massgebend sind Grösse, Komplexität, Struktur und Risikoprofil des Instituts sowie Wesentlichkeit und Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken einer Anwendung (Ziff. 1).
Hinweis: Wir sind keine Anwälte und geben keine Rechtsauskunft. Diese Seite fasst die Aufsichtsmitteilung zusammen und ist keine Rechtsberatung. Massgebend ist der Originaltext der FINMA.
Die FINMA beurteilte, ob Institute mit vielen oder wesentlichen KI-Anwendungen ein zentral geführtes Inventar einschliesslich einer Risikoklassifizierung und daraus folgender Massnahmen haben, und wie vollständig dieses Inventar ist.
Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für Entwicklung, Implementierung, Überwachung und Nutzung von KI sind festgelegt, und zwar bei Mitarbeitenden mit den nötigen Fähigkeiten. Dazu gehören Vorgaben zu Modell-Tests und Systemkontrollen, Dokumentationsstandards und Schulungen.
Auch klassische Anwendungen können ähnliche Risiken aufweisen, gleiche Risiken sind gleich zu behandeln. Die FINMA beobachtete, dass Vollständigkeit schwierig ist, weil generative KI seit ihrem Aufkommen für jedermann zugänglich ist.
Die Kriterien legt das Institut selbst fest, massgebend sind Wesentlichkeit und Eintrittswahrscheinlichkeit. Tendenziell erhöht sind Risiken, wenn KI der Einhaltung von Aufsichtsrecht oder kritischen Funktionen dient oder Kundschaft und Mitarbeitende von ihren Ergebnissen stark betroffen sind. KI ist nicht per se eine Hochrisiko-Anwendung.
Bei eingekaufter Software war oft unklar, ob sie KI enthält, welche Daten und Methoden sie nutzt und ob eine ausreichende Due Diligence besteht. Bei Outsourcing beurteilte die FINMA zusätzliche Tests, Kontrollen und Vertragsklauseln zu Verantwortlichkeiten und Haftung.
Weitere Massnahmen betreffen die Datenqualität, Tests und laufende Überwachung, die Dokumentation wesentlicher Anwendungen samt Risikoeinstufung und Begründung, die Erklärbarkeit von Ergebnissen und eine unabhängige Überprüfung.
Die Felder
Das sind die Spalten der Vorlage. Wo ein Feld auf die Aufsichtsmitteilung zurückgeht, steht die Ziffer daneben. Felder mit «Empfehlung» verlangt die FINMA nicht ausdrücklich, sie machen das Inventar aber erst im Alltag nutzbar.
Eindeutige Nummer, zum Beispiel KI-01. Bleibt bestehen, auch wenn die Anwendung abgeschaltet wird.
Wie die Anwendung im Haus heisst, mit Produktname.
Wofür die Anwendung eingesetzt wird und in welchem Prozess sie wirkt.
Organisationseinheit, die die Anwendung nutzt.
Geplant, Pilot, produktiv oder abgeschaltet.
Eine benannte Person mit Funktion, kein Team. Sie hält die Angaben aktuell.
Hersteller, Produkt und, soweit bekannt, das zugrunde liegende Modell.
Selbst entwickelt, eingekauft, in bestehender Software eingebaut oder private Nutzung durch Mitarbeitende.
Drittanbieter, Vertrag und Klauseln zu Verantwortlichkeiten, Haftung und Datenstandort.
Ob Daten von Kundinnen und Kunden in die Anwendung fliessen: ja, nein oder unklar.
Welche Daten verwendet werden, zum Beispiel Stammdaten, Transaktionen, Korrespondenz oder öffentliche Inhalte.
Land oder Region, in der die Daten laut Vertrag verarbeitet und gespeichert werden.
Tief, mittel oder hoch, nach den Kriterien Ihres Hauses.
Warum diese Stufe: Wesentlichkeit der Anwendung und Wahrscheinlichkeit eines Schadens, in zwei bis drei Sätzen.
Zum Beispiel menschliche Freigabe, Vier-Augen-Prinzip, Berechtigungen, Grenzen der Nutzung.
Wie sich ein Ergebnis nachvollziehen lässt, zum Beispiel mit Quellenangabe oder Begründung pro Fall.
Tests vor dem Einsatz, Kennzahlen, Stichproben und die Auswertung von Fällen, in denen Mitarbeitende Ergebnisse korrigieren.
Wo Zweck, Daten, Modell, Annahmen, Grenzen, Tests und Fallback beschrieben sind.
Monat und Jahr der letzten Überprüfung.
Monat und Jahr der nächsten geplanten Überprüfung.
Die Anwendung dient der Einhaltung von Aufsichtsrecht oder einer kritischen Funktion, oder Kundschaft und Mitarbeitende sind von ihren Ergebnissen stark betroffen.
Kundendaten oder Kundenkontakt, aber ein Mensch prüft das Ergebnis, bevor es wirkt.
Interne Unterstützung ohne Kundendaten, die Ergebnisse wirken nicht direkt nach aussen.
Vorschlag von Humanyx. Die Kriterien legt Ihr Haus fest (Fn. 5). Faktoren nennt die FINMA in Fussnote 2, zum Beispiel Bedeutung für die Einhaltung der Finanzmarktgesetzgebung, Anzahl betroffener Kundinnen und Kunden, Personendaten, Grad der Autonomie und Abhängigkeit von Drittanbietern.
Beispiel
Sechs Zeilen, wie sie in einer mittelgrossen Bank stehen könnten, von Microsoft 365 Copilot bis zu den privaten ChatGPT-Konten. Fiktives Beispiel, keine Angaben eines realen Instituts. Klicken Sie auf eine Zeile, um alle 20 Felder zu sehen.
Was und wofür
Wer und mit wem
Welche Daten und wo
Risiko und Kontrollen
Prüfen und belegen
Was und wofür
Wer und mit wem
Welche Daten und wo
Risiko und Kontrollen
Prüfen und belegen
Was und wofür
Wer und mit wem
Welche Daten und wo
Risiko und Kontrollen
Prüfen und belegen
Was und wofür
Wer und mit wem
Welche Daten und wo
Risiko und Kontrollen
Prüfen und belegen
Was und wofür
Wer und mit wem
Welche Daten und wo
Risiko und Kontrollen
Prüfen und belegen
Was und wofür
Wer und mit wem
Welche Daten und wo
Risiko und Kontrollen
Prüfen und belegen
Typische Lücken
Die FINMA hält fest, dass die Vollständigkeit für viele Institute eine Herausforderung war. Was niemand bewusst eingeführt hat, steht auf keiner Liste. Diese vier Bereiche lohnt es sich gezielt abzufragen.
Mitarbeitende nutzen ChatGPT, Claude oder Gemini mit privaten Konten, oft auf dem Smartphone. Niemand hat das eingeführt, deshalb steht es auf keiner Liste.
So erfassen: Kurze, anonyme Umfrage im Team. Als eigene Zeile mit der Art «private Nutzung durch Mitarbeitende» erfassen, dazu eine Regel in der KI-Richtlinie und eine freigegebene Alternative.
CRM, Kernbankensystem, Office und Portfoliosoftware erhalten laufend KI-Funktionen über normale Updates. Sie werden selten als neue Anwendung wahrgenommen.
So erfassen: Release Notes und Verträge der wichtigsten Anbieter durchgehen und beim Anbieter nachfragen, welche KI-Funktionen aktiv sind und welche Daten sie nutzen.
Protokollfunktionen in Teams oder Zoom, Diktier-Apps und Übersetzungsdienste verarbeiten Gespräche und Korrespondenz mit Kundenbezug.
So erfassen: Pro Werkzeug eine Zeile. Besonders prüfen: Werden Gespräche mit Kundinnen und Kunden aufgezeichnet, und wo werden Audio und Text gespeichert?
Schreibhilfen, Zusammenfassungs- und Übersetzungs-Erweiterungen lesen mit, was im Browser angezeigt wird, auch im E-Banking-Backoffice oder im CRM.
So erfassen: Installierte Erweiterungen über die IT auslesen, freigegebene Erweiterungen festlegen und die übrigen sperren.
Vorlage
Die Excel-Datei enthält drei Blätter: das leere Inventar mit Auswahllisten für Art, Kundendaten, Risikoeinstufung und Status, das ausgefüllte Beispiel von dieser Seite und eine Erklärung aller 20 Felder mit Bezug zur Aufsichtsmitteilung. Die CSV-Datei enthält dieselben Spalten mit den Beispielzeilen, für andere Tabellenprogramme.
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Aus Geschäftsberichten, Medienmitteilungen und Fachmedien tragen wir zusammen, welche KI-Anwendungen Ihres Hauses öffentlich bekannt sind, mit Quelle pro Zeile. Sie erhalten die ausgefüllte Vorlage als Ausgangspunkt. Verantwortliche Personen, Kundendaten und Risikoeinstufung ergänzen Sie intern.
Lieber direkt sprechen: Termin «AI Exploration» buchenDie Aufsichtsmitteilung schreibt keine bestimmte Funktion vor. Die FINMA beurteilt, ob ein zentral geführtes Inventar besteht und ob Zuständigkeiten und Verantwortlichkeiten für Entwicklung, Implementierung, Überwachung und Nutzung von KI festgelegt sind. Bewährt hat sich: Eine Stelle führt das Inventar, oft Compliance oder Risk, und jede Anwendung hat eine fachlich verantwortliche Person.
Die Mitteilung nennt keine feste Frequenz. Sie hält fest, dass vor dem produktiven Einsatz, bei Veränderungen und laufend zu beurteilen ist, ob eine Anwendung ihrem Zweck entsprechend funktioniert, je wesentlicher und komplexer die Anwendung, desto wichtiger. Unsere Empfehlung: das Inventar mindestens einmal pro Quartal nachführen, wesentliche Anwendungen mindestens jährlich überprüfen und zusätzlich immer dann, wenn sich Modell, Anbieter oder Daten ändern.
Ja. Die FINMA hält fest, dass die Vollständigkeit von Inventaren schwierig ist, weil generative KI seit ihrem Aufkommen für jedermann zugänglich ist, und sie erwartet eine ausreichend breite Definition von KI. Erfassen Sie die private Nutzung als eigene Zeile, auch wenn vieles unklar ist. Wie Sie die Nutzung im Team regeln, zeigt unsere Vorlage für eine KI-Richtlinie.
Die FINMA beurteilt, ob eine ausreichend breite Definition von KI vorliegt, und verweist auf den Definitionsansatz der OECD. Begründung: Auch klassische Anwendungen können ähnliche Risiken aufweisen, und gleiche Risiken sind gleich zu adressieren. Im Zweifel gehört eine Anwendung ins Inventar, die Risikoeinstufung zeigt dann, wie viel Aufwand sie braucht.
Die Mitteilung verlangt Proportionalität: Massgebend sind Grösse, Komplexität, Struktur und Risikoprofil des Instituts sowie die Wesentlichkeit der Anwendungen und die Eintrittswahrscheinlichkeit der Risiken. Ein kleines Haus braucht keine Inventar-Plattform. Eine vollständige, aktuelle Tabelle mit benannten Verantwortlichen genügt in der Regel.
Für die meisten Häuser ja. Entscheidend sind Vollständigkeit, eine nachvollziehbare Risikoeinstufung und die regelmässige Nachführung, nicht das Werkzeug. Die Vorlage auf dieser Seite enthält Auswahllisten für Art, Kundendaten, Risikoeinstufung und Status.
Ihre Frage ist nicht dabei? Die KI antwortet aus dem Wissen dieser Website.